Planetenfeuer

Deutschland im Jahr 1999. Der Staatssozialismus hat sich seit 100 Jahren bewährt. Das Land blüht, die Gesellschaft ist weit fortgeschritten. »Überall sah man die Wohnungen besser und gesünder, die Nahrung reichlicher und zuträglicher werden, überall stiegen die Löhne, wurden die Arbeitsbedingungen günstiger.« Die Großindustrie ist zum Teil verstaatlicht, die Hälfte der Bevölkerung besteht aus Staatsdienern und Pensionisten. Frauen und Männer konkurrieren um ihre Stellungen. Phantastische Erfindungen machen allen das Leben leichter. Die elektrische Flugbahn hat das Reisen pfeilschnell gemacht. Pantoskope, glänzende Scheiben aus schwarzem Glas, sind das Medium, mit dem die Menschen weltweit miteinander kommunizieren. Brillen, die direkt mit dem Gehirn verbunden werden, lassen Blinde wieder sehen. Das Gedankenlesen ist zur lernbaren Kunst geworden. Und eine geheime Gesellschaft von Wissenschaftlern bringt Tote wieder zum Sprechen.

Trotz des allgemeinen Wohlstands herrscht in allen Bevölkerungsschichten eine nervöse Stimmung. »Ehrgeiz und Strebertum sind zu einer Krankheit der Volksseele geworden.« Die Menschen berauschen sich mit wunderbaren narkotischen Mitteln und sind von einer letzten, grauenhaften Krankheit bedroht, bei der sie sich, von umherirrenden Elektrobündeln infiziert, auf offener Straße zu Tode lachen. Die Nachricht einer drohenden Katastrophe versetzt die Welt in endgültige Aufruhr. Zwei ferne Planeten sind zusammengestoßen und haben ein riesiges Trümmerfeld im All hinterlassen. Die Erde rast unaufhaltsam auf dieses Planetenfeuer zu. Der Weltuntergang droht. Ein illustrer Kreis von Freunden erlebt in München die letzten Wochen vor dem Zusammenbruch. Persönliches Schicksal und drohendes Weltende mischen sich zu einem packenden Szenario.

Planetenfeuer, 1899 erstmals und einmalig erschienen, ist eine düstere Vision der Zukunft. Endzeitstimmung, Lebensüberdruss und Weltschmerz machen den Roman zu einem wichtigen Dokument des Fin de siècle. Max Haushofers einziger Roman ist Vermächtnis und Utopie. Er changiert zwischen verblüffender Hellsichtigkeit und erschreckender Analyse einer möglichen Zukunft, die Licht und Schatten vorauswirft.

Max Haushofer (1840–1907) war Dichter und Professor für Nationalökonomie und Statistik. Er unterrichtete an der Technischen Hochschule in München und zählte dort u.a. Thomas Mann zu seinen Studenten. Haushofers Enkel Albrecht ist der Verfasser der berühmten ›Moabiter Sonette‹, eines wichtigen Zeugnisses des Widerstands gegen den Nationalsozialismus.

»Wenn in hundert Jahren jeder einzelne nur um einen Gedanken besser ist als die Menschen von heute, wenn er nur um eine schlechte Handlung weniger, um eine gute mehr begeht, als er heute begehen würde: dann läge darin schon ein ungeheurer Fortschritt zum Bessern. Aber wie wenig würde durch einen solchen Fortschritt an der Erscheinung der Gesamtmenschheit geändert!«

Planetenfeuer

Max Haushofer
Martin Otter (Hg.)
Planetenfeuer

Mit einem Essay von Martin Otter
280 Seiten, gebunden
4 Fotos
erscheint voraussichtlich im März 2020
ISBN 978-3-933510-08-2
€ 29,00