Die Mama und die Hure

Ein junger Mann ohne Einkommen und Beruf (Alexandre) lässt sich durch den Pariser Sommer treiben, sitzt in Cafés herum, diskutiert mit Freunden über Filme und Literatur und liest Marcel Prousts »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit«. Er läßt sich aushalten von Marie (der »Mama«), die eine Boutique führt, und lernt zudem die Krankenschwester Veronika (die »Hure«) kennen. Er pendelt zwischen Marie und Veronika hin und her und macht ihr am Ende auch einen Antrag, doch vergeblich. Eine klassische »ménage à trois« zwischen Melancholie und Erstarrung.

Dreieinhalb Stunden dauert dieser äußerst formbewusste und stilisierte Film: Alexandre liest Proust oder die »Monde«, flaniert auf dem Boul’ Mich’, hört Musik, telephoniert, ißt, trinkt und diskutiert ausgiebig, ja er redet fast ununterbrochen, zitiert Bücher und Filme, erzählt Quatsch; Sex zu zweit und zu dritt, Eifersuchtsszenen, ein Selbstmordversuch, eine Abtreibung; man trifft sich in »La Coupole« oder in »Les Deux Magots«, in Maries Wohnung lebt und schläft man auf dem Boden; lapidar bedient man sich eines rüden Jargons, aber man sagt »Sie« zueinander.

Jean Eustache (*30.11.1938 in Pessac, Frankreich; † 5.11.1981 in Paris) drehte von 1963 bis 1980 zwölf Filme, darunter Spiel- und Dokumentarfilme. Sein bekanntester Film ist La maman et la putain (Die Mama und die Hure) von 1973 mit Jean-Pierre Léaud. Der 215-minütige Film entfachte bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 1973 einen Skandal, wurde ausgezeichnet, war ein Publikumserfolg und leitete eine neue Ära im französischen Film ein.

Die Mama und die Hure

Jean Eustache
Die Mama und die Hure
Das Drehbuch
180 Seiten, gebunden
12 Fotos
erschienen im März 2019
ISBN 978-3-923646-22-7
€ 22,00